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Quo vadis Call of Duty?
17.04.2012 um 15:03 Uhr - Poison

Quo vadis Call of Duty?

 

 

 

 

 

 

Jedes Jahr aufs Neue kommt ein Call of Duty-Ableger in den Handel. Fast schon kann man den Kalender nach dem regelmäßigen Release-Zyklus von Activisions stärkster Marke ausrichten. Modern Warfare 3 hat nach Meinung vieler Spieler einiges verbockt. Wo wird es mit der Serie hingehen?

Die DLC-Politik und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten zwischen den Spieleplattformen, fehlender Support, nervige Fehler im Spiel ... die Liste der Dinge, über die wir meckern (können), ist lang. Doch nicht nur wir Zocker haben allen Grund, uns zu beschweren. Auch die ersten Analysten fangen an, der Call of Duty-Marke erste Anzeichen von Schwäche und Rückgängen zu attestieren. Auch, wenn in den Aussagen der Analysten nicht immer viel Wahres steckt, macht sich doch momentan ein Absinken der Motivation bemerkbar, Modern Warfare 3 zu starten. Auch Robert Bowling, das Aushängeschild von Call of Duty, haben die Umstände letztendlich und verständlicherweise vertrieben.

Aus persönlichen Erfahrungen wissen wir, dass immer mehr Spieler (auch in unserer Community) lieber wieder den Vorgänger Call of Duty Black Ops oder auch den direkten Konkurrenten Battlefield 3 einschieben, um den Abend zu füllen. Die Gründe dafür sind verschieden: Manche bemängeln an Modern Warfare 3 beispielsweise das Spawnsystem, die unausgeglichene Waffenbalance oder auch die Aufsplittung der Community durch den Zusatzdienst Call of Duty Elite. Vielen ist aber auch schon ein viel simpleres Problem aufgefallen: MW3 ist nicht besonders innovativ im direkten Vergleich zum Vorgänger Modern Warfare 2 oder gar dem Klassiker, mit dem alles begonnen hat: Call of Duty 4. Was genau hinterlässt in uns das Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben? Sind es wirklich nur die zu ähnlichen Waffen, Perks, Abschussserien, oder die Grafikengine? Ist aus der Serie langsam die Luft raus?

Unsere Kollegen von vg247.com haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt, und das hat auch uns nachdenklich gestimmt. Bezogen auf den Einzelspieler-Modus von Modern Warfare 3 sehen wir in der Tat nichts wirklich Neues. An jeder Ecke explodieren Autos, fallen wir in Zwischensequenzen Hänge hinunter oder brechen mit C4 durch Wände, öffnen Türen, hinter denen sich böse russische Terroristen verbergen, die uns sogleich erschießen – was aber egal ist, weil wir ständig andere Protagonisten spielen, an denen wir nicht wirklich hängen. Hat sich die Modern Warfare-Reihe mit immer gleicher Popcorn-Action an die Wand gefahren?

Der Vorgänger Call of Duty Black Ops aus dem Hause Treyarch hat uns gezeigt, dass es auch anders geht. Sie setzten uns ein frisches Setting vor und den willensstarken Charakter Mason in den Fesselstuhl eines Entführers. Wir verfolgten von Anfang an und in Rückblicken, was er durchlebt hat und wie er letztendlich in seine Situation geraten konnte. Anfangs tappten wir völlig im Dunkeln, während die verschiedenen Missionen uns ein Licht aufgehen ließen. Auch, wenn einzelne Abschnitte mit ähnlich hirnlosen Ballereien, Schlauchlevels mit nachspawnenden Gegnerwellen und massenweisen Explosionen plus einer gehörigen Portion US-Patriotismus im Vietnamkrieg samt Kriegsverherrlichung "glänzten" – irgendwie blieben uns Reznov, Woods, Bowman und Mason samt ihrer Gegner im Gedächtnis: "Dragovich, Kravchenko, Steiner – all must die!" Der Unterschied in Modern Warfare 3 ist eigentlich recht simpel: Wir haben feste Charaktere – Sandman, Price, Soap, Yuri mit einigen nicht wirklich wichtigen Nebencharakteren wie die GIGN und SAS-Einheiten. Doch wirkte es beispielsweise in Call of Duty 4 noch ganz anders. Soap, Nicolai, unser Mentor Price.

Die Entwickler haben sich in etwas verrannt. Angefangen mit einer Krise im Nahen Osten, einer Intrige gegen die eigenen Landsmänner in Russland und schließlich einer russischen Invasion in den USA, ist die Geschichte des dritten MW-Ablegers in einem Weltkrieg gemündet. Und genau hier hätte man viel mehr aus der Situation machen können. Auf den ersten Blick wirkt die Singleplayer-Erfahrung bombastisch und episch – denn genauso ist die auch inszeniert. Fast keine Mission spielt im gleichen Gebiet. Es erinnert an die vielen Städtewechsel in James Bond-Filmen: Die Hauptsache ist es, viele Orte abzudecken, um Abwechslung zu schaffen. Klar, das war in den anderen Teilen nicht anders (auch in Black Ops nicht). Doch wenn es eine Trilogie sein sollte, hätten sich mehr Details ansammeln müssen. Die Storyline von COD4 bis MW3 scheint nicht von Anfang an zusammenhängend durchdacht worden zu sein. Die Anknüpfungen mit Yuri und das "alles erklärende" Ende des letzten Teils wirken aufgesetzt – fast so, als wolle man die Cliffhanger-artigen Missionen von Black Ops nachahmen, um Modern Warfare 3 ähnlich zu gestalten.

Ein weiterer Grund war sicherlich, dass man alle Zielgruppen ansprechen wollte – denn die meisten Spieler von Call of Duty wohnen in den USA, England, Frankreich und Deutschland. Sie haben versucht, uns alle damit anzusprechen, was die Teaser-Trailer zu Modern Warfare 3 wunderbar belegen. Das verbindet und macht Lust auf mehr. Leider verliert sich das Setting in sich selbst. Man kann dem Spieler in einer Fünf-Stunden-Kampagne keine ausführlichen Hintergründe nahe bringen – sie verschwinden in kurzen Zwischenberichten, die die Missionen überbrücken. Man hätte hier einen Abschluss der Trilogie erschaffen können, der nicht "popcornaction-mäßig" eingeschlagen und dann verpufft wäre, sondern der uns im Gedächtnis bleibt, mit großen Emotionen. Er hätte uns zeigen können, was ein globaler (!) Konflikt mit der Welt anstellt. Die Hintergründe des russischen Präsidenten, nicht nur eine kleine Andeutung im Flugzeug, dass er ja eigentlich Frieden will. Die Gründe für den Giftgasangriff in Paris, nicht nur eine kleine Sequenz, in der ein GIGN-Soldat uns sagt, dass sie angegriffen wurden. Eine ergreifende Bildsetzung, nicht eine glückliche Familie, die zufällig in die Explosion eines Trucks läuft. In Ansätzen sind die schrecklichen Konsequenzen des Krieges aufgezeigt (Leichen im Café und in der Bibliothek in Paris; das Mädchen, das die Tauben jagt; die Zivilisten, die auf die U-Bahn warten), doch man hätte sie noch viel krasser darstellen können. Sie gehen unter in der James Bond-Action, die für das Gameplay viel wichtiger zu sein scheint. Es fehlen die großen Zusammenhänge und auch die schockierenden Schattenseiten des Konflikts. Wieso werden in Sierra Leone die Zivilisten von der örtlichen Miliz abgeschlachtet, wie hat sich in Paris ein bürgerlicher Widerstand gebildet?

Und was kommt jetzt? Was passiert nach dem Ende des dritten Weltkrieges? Wie wollen die Jungs von Infinity Ward an die Ereignisse von Modern Warfare 3 anknüpfen? Bevor es angekündigt wurde, spekulierte die Community über ein moderneres Modern Warfare mit einem brandneuen Setting, das weiter in der Zukunft liegen sollte. Ohne Alienschnickschnack, Laserwummen, nicht zu sehr "abgespaced", doch eine Art Utopie, ein (nicht allzu) ferner Konflikt der zukünftigen Erde – Hauptsache glaubwürdig. Das gegenwärtige Setting langweilt die Spieler langsam, und das merkt man sowohl an der Kampagne als auch im Multiplayer. Sonst würde sich die Community nicht über das recycelte Gameplay mit der immer wieder gleichen Mechanik und minimalen Veränderungen beschweren. Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft für 2013 bringt. Zu dem Zeitpunkt könnten schon die Nachfolger der Xbox 360 und Playstation erschienen sein – eine gute Gelegenheit, um mit einer brandneuen Grafikengine und vor allem einem neuen Setting frischen Wind in die Reihe zu bringen. Black Ops 2 wird sicherlich eine Richtung weisen, doch Treyarchs Ableger waren schon immer anders – sie waren verschieden, denn World at War spielt sich gänzlich anders als Black Ops, was man von Call of Duty 4, Modern Warfare 2 und 3 nicht wirklich behaupten kann.

Wie der Autor Patrick Garratt von vg247.com treffend abschließt:

 


Zitat von »Patrick Garratt«

Aber die "Formel" der Kreativität muss sich ändern, bevor sie sich zerstört. Es ist 5 vor 12, und das ist es seit Call of Duty 4 in 2007 gewesen. Die neuen Xbox und Playstation-Konsolen werden für Weihnachten nächsten Jahres erwartet, und es kann sein, dass die neue Hardware für Modern Warfare 12 Uhr bedeutet. Die Serie braucht etwas: früher oder später wird jeder von diesem Niveau gelangweilt sein – egal, wie spannend oder poliert es ist.

 

Link: CallofDutySeries

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